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BDZV verleiht Bürgerpreis der deutschen Zeitungen an Gaby Wentland

In den deutschen Zeitungen vergehe derzeit kaum ein Tag, „an dem nicht über die Einschränkung des Menschenhandels, die Bestrafung von Freiern oder das Verbot von Prostitution gesprochen und geschrieben wird“. Das unterstrich BDZV-Präsident Helmut Heinen bei der Verleihung des Bürgerpreises der deutschen Zeitungen an Gaby Wentland am 20. Februar 2014 in Berlin.

Die Jury – alle Chefredakteure der im BDZV organisierten Verlage – hatte der Gründerin der MISSION FREEDOM die mit 20.000 Euro dotierte Ehrung für ihr Engagement für zwangsprostituierte junge Mädchen und Frauen zugesprochen, die von Menschenhändlern vor allem aus Rumänien, Bulgarien und Nigeria nach Deutschland gelockt wurden.

Der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich, der als Theologe und Sozialpädagoge die Arbeit der Preisträgerin begleitet, würdigte Gaby Wentland vor rund 120 geladenen Gästen aus Politik und Medien in Berlin als eine Persönlichkeit, die nicht nur im Stillen wirke. „Sie will einzelnen Menschen helfen und zugleich ihr Möglichstes tun, um die Öffentlichkeit für diesen alltäglichen Skandal vor unseren Haustüren zu sensibilisieren.“

"Diese Auszeichnung hilft dem Kampf gegen den Menschenhandel", betonte Gaby Wentland. Die Zeitungen seien für dieses Engagement unverzichtbar. Denn der Kampf könne nur gemeinsam mit Politik und Medien geführt werden, wenn er Aussicht auf Erfolg haben wolle. Das Preisgeld soll in eine Aufklärungskampagne fließen. 

Bisher als Bürger des Jahres gewürdigt wurden 2010 Thomas Beckmann (nominiert von der "Rheinischen Post", Düsseldorf), 2011 das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer (nominiert von der "Ostsee-Zeitung", Rostock) und 2012 Nora Weisbrod, nominiert von "Allgemeiner Zeitung" (Mainz) und "Wiesbadener Kurier".  Der Solo-Cellist Beckmann hat die in 100 deutschen Städten aktive Obdachlosenhilfe-Organisation "Gemeinsam gegen Kälte" gegründet. Birgit und Horst Lohmeyer engagieren sich in dem Örtchen Jamel (Mecklenburg-Vorpommern) gegen Neonazis und rechte Gewalttäter. Nora Weisbrod unterstützt als Gründerin und Geschäftsführerin der „Aktion Tagwerk“ Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche in Ruanda, Burundi und Südafrika.

Bei der aktuellen Preisträgerin handelt es sich um eine Nominierung des „Hamburger Abendblatts“.Ausgezeichnet als „Deutschlands Bürger/Bürgerin des Jahres“ werden Personen, die auch jenseits ihrer eigentlichen Profession Herausragendes für die Gesellschaft leisten. Die deutsche Nationalität ist ausdrücklich nicht Voraussetzung.

Preisverleihung am 20. Februar 2014 in Berlin

  • Verleihung Bürgerpreis der Zeitungen: Die strahlende Siegerin mit BDZV-Präsident Helmut Heinen, Laudator Frank Heinrich (MdB) und Verbands-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff (v.l.n.r.).
  • Verleihung Bürgerpreis der Zeitungen: Großer Applaus für das Engagement von Gaby Wentland und MISSION FREEDOM.
  • Verleihung Bürgerpreis der Zeitungen: Laudator Frank Heinrich fordert von der Gesellschaft eine stärkere Diskussion über Zwangsprostitution in Deutschland.
  • Verleihung Bürgerpreis der Zeitungen: Auftritt Johanna Griebel, Traute Hoess, Angela Winkler vom Berliner Ensemble eröffnen mit Stücke aus der Drei-Groschen-Oper die feierliche Preisübergabe.
  • Verleihung Bürgerpreis der Zeitungen: Volles Haus bei der Preisverleihung. Mehr als 120 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien.

Grußwort von Helmut Heinen, Präsident Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, anlässlich der Verleihung des Bürgerpreises der deutschen Zeitungen an Gaby Wentland am 20. Februar 2014 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!
Wenn das Wort "Zwangsprostitution" fällt, löst das gewiss bei jedem von uns sofort eine Abwehrreaktion aus. Zwangsprostitution? Das geht gar nicht. Dagegen muss man etwas unternehmen. Ganz klar. Aber nicht ich. Und nicht jetzt. Dafür gibt es Gesetze, es gibt die Polizei. Es gibt die Landeskriminalämter.
Was ist, wenn das vielleicht nicht reicht? Wer kümmert sich, wenn es eben doch auch in einem reichen und wohlgeordneten Land wie dem unseren und allen Gesetzen zum Trotz Zwangsprostitution gibt? Darüber wollen wir heute Morgen sprechen. Herzlich willkommen zum Bürgerpreis der deutschen Zeitungen.
Herzlich willkommen heiße ich die Damen und Herren Abgeordneten des Deutschen Bundestags.
Eine große Freude ist es darüber hinaus, dass mit  Frau Nora Weisbrod auch die letztjährige Trägerin unseres Bürgerpreises, die Gründerin der "Aktion Tagwerk", eigens zur Preisverleihung aus Mainz angereist ist.
Ganz besonders begrüße ich nun aber den eigentlichen Anlass unserer heutigen Zusammenkunft, unsere Preisträgerin, Frau Gaby Wentland.
In freundschaftlicher Beziehung zu Frau Wentland steht der Laudator unserer Bürgerin des Jahres, der Abgeordnete des Deutschen Bundestags Frank Heinrich. Als Theologe und Sozialpädagoge begleitet er die Arbeit von Frau Wentland mit kritischer Sympathie. Ein herzliches Willkommen auch Ihnen, sehr geehrter Herr Heinrich.
Aber zurück zu unserer Protagonistin heute Morgen: Mit der von ihr gegründeten MISSION FREEDOM kümmern sich Gaby Wentland und ihr Team in Hamburg seit 2011 um Mädchen und  Frauen, die auf der dunkelsten Seite der Großstadt gelandet sind - weil sie dem Traum von einem besseren Leben in Deutschland folgten, weil sie in die Fänge von Menschenhändlern gerieten oder weil sie zum Beispiel in Geldnöten steckten. Im MISSION FREEDOM Home können sich die Frauen eine Zeit lang zurückziehen, sich erholen und für ihre Zukunft planen. Das ist ein wichtiges Projekt. Und es ist eines von vielen dieser Art, das wir damit gleichsam stellvertretend würdigen.

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