Rangliste der Pressefreiheit: Schlechte Noten für Eritrea, Turkmenistan und Nordkorea
Deutschland rangiert im europäischen Mittelfeld
Insgesamt sei die Arbeit von Journalisten aber deutlich schwieriger und gefährlicher geworden. „In vielen Ländern scheint eine Kultur der Gewalt gegen die Medien inzwischen tief verwurzelt zu sein“, konstatierte die Hilfsorganisation. Dies gelte für Mexiko (Platz 149) und Honduras (Platz 135) genau wie für Pakistan (Platz 151), wo im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge die meisten Journalisten weltweit getötet worden seien. Irak fiel wegen mehrerer Mordfälle um 22 Positionen auf Platz 152.
Nach wie vor herrschten in Europa die besten Arbeitsbedingungen – auch wenn sich die Schere zwischen den einzelnen Staaten weiter öffne. Während Finnland, Norwegen und die Niederlande seit Jahren vordere Plätze in der Rangliste einnehmen, fielen Bulgarien (Platz 80) und Italien (Platz 61) deutlich zurück und gehören mit Griechenland (Platz 70) zu den Schlusslichtern der EU. In Bulgarien seien Journalisten, die über Korruption und organisierte Kriminalität berichteten, bedroht und gezielt angegriffen worden. „In Griechenland arbeiteten Reporter und Fotografen während der Wirtschaftsproteste teilweise unter kriegsähnlichen Bedingungen“, so ROG.
Deutschland nimmt weiterhin eine stabile Mittelposition innerhalb der EU ein. „Schwierig sind hier vor allem der Zugang zu Behördeninformationen sowie der Schutz von Quellen und Informanten“, erklärte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. Ungarn rutschte von Platz 23 auf Platz 40 ab, weil die Regierung durch neue Gesetze übermäßigen Einfluss auf die Arbeit der Medien nehme. Großbritannien verschlechterte sich vor allem wegen der Abhöraffäre bei „News of the World“ von Platz 19 auf 28. Der am schlechtesten platzierte Staat Osteuropas ist Belarus (Platz 168), wo Alexander Lukaschenko nach der Niederschlagung von Demonstrationen im Dezember 2010 über 100 Blogger und Journalisten habe verhaften lassen, so ROG.
Liste Pressefreiheit
1 Finnland und Norwegen
3 Estland und Niederlande
5 Österreich
6 Island und Luxemburg
8 Schweiz
9 Kapverden
16 Deutschland, Zypern und Jamaika
28 Großbritannien
47 USA
179 Eritrea
Die USA fielen um 27 Positionen auf Platz 47, weil die Polizei die Berichterstattung über die Occupy-Proteste behinderte. Innerhalb von zwei Monaten wurden mehr als 25 Fälle bekannt, in denen Journalisten verhaftet oder geschlagen wurden. Chile, wo die Polizei mit Gewalt gegen protestierende Studenten vorgegangen sei, fiel um 47 Positionen auf Platz 80. Weitere Absteiger sind Brasilien (Platz 99), Paraguay (Platz 80) und Peru (Platz 115). Journalisten, die über Korruption, organisierte Kriminalität oder Umweltthemen berichten, riskieren dort nicht selten ihr Leben.
Auch in China (Platz 174) hat sich die Situation für die Presse 2011 verschlechtert. Nach den Protesten in der arabischen Welt habe das Regime die Überwachung der Medien, insbesondere im Internet, verstärkt. „In keinem anderen Land sitzen mehr Journalisten und Blogger im Gefängnis“, erklärte ROG. Auch Hongkong fiel ab: von Platz 34 auf Platz 54. In Vietnam (Platz 172) würden kritische Berichterstatter ebenfalls immer stärker unter Druck gesetzt und seien zum Teil zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt worden.
17. Februar 2012 3/2012
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