Journalisten weltweit immer stärker im Fadenkreuz
Reporter ohne Grenzen: 66 Medienberichterstatter 2011 getötet
2011 verloren 66 Journalisten ihr Leben, 199 Medienschaffende wurden verhaftet und fast 500 Medien zensiert. Quelle: Reporter ohne Grenzen
Für den starken Anstieg an Repressionen und Gewalt gegen Medienschaffende seien vor allem die Ereignisse um den „Arabischen Frühling“ sowie die Proteste in Ländern wie Sudan, Belarus oder Uganda verantwortlich. „2011 war in vielen Ländern ein Jahr der Demonstrationen und Kämpfe für Freiheit und Demokratie“, so ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske, der er-gänzte, „die meisten Machthaber antworteten mit systematischer Gewalt. Nicht nur die Proteste sollten im Keim erstickt, sondern auch Berichte darüber unterdrückt werden". Überwiegend treffe die Gewalt einheimische Journalisten.
Zu den Ländern mit der höchsten Zahl an ge-töteten Journalisten gehören wie bereits 2010 Pakistan (zehn Todesfälle), Irak (sieben) und Mexiko (fünf). Auch die Repressionen gegen Blogger und Internetaktivisten hätten weiter zu-genommen. So seien 199 Cyberdissidenten fest-genommen (2010: 152) worden, zudem hätten mindestens fünf Online-Aktivisten ihr Leben ver-loren. „In einigen Ländern haben Blogger eine zentrale Rolle bei der Berichterstattung über-nommen, vor allem, wenn konventionelle Medien stark zensiert oder internationale Journalisten nicht ins Land gelassen wurden“, erläuterte Re-diske. Damit seien sie stärker in das Visier von Behörden oder gewaltbereiter Gruppen geraten.
Einen Anstieg verzeichnet ROG auch bei der Zahl der Länder mit Online-Zensur, die sich von 62 auf 68 erhöht hat. Dagegen sei die Zensur konventioneller Medien mit rund 500 zensierten Medien konstant geblieben. Schließlich regis-trierte ROG in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 70 Journalisten, die aus ihrer Heimat flüchten mussten.
Zu ähnlich dramatischen Zahlen kommt auch der Weltverband der Zeitungen und Nachrich-tenmedien (WAN-IFRA). Nach dessen Analyse wurden im vergangenen Jahr 64 Journalisten und Medienmitarbeiter im Rahmen ihrer Tätigkeit getötet, nahezu die Hälfte in Pakistan, Irak, Li-byen und Jemen. In immer mehr Ländern geraten Journalisten aufgrund von Recherchen zu Kor-ruptionsvorgängen oder Drogenhandel ins Fa-denkreuz der organisierten Kriminalität. „Wenn Journalisten angegriffen und getötet werden, weil sie ihrer Arbeit nachgehen, leidet die gesamte Gesellschaft“, unterstrich Christoph Riess, CEO von WAN-IFRA. Das Recht aller Bürger auf freien Informationsfluss werde durch solche Taten ein-geschränkt. „Diese Morde müssen konsequent verfolgt und die Täter vor Gericht gebracht wer-den“, forderte WAN-IFRA.
Weitere Informationen unter www.reporter-ohne-grenzen.de und www.wan-ifra.org
13. Januar 2012 1/2012



















